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Kunststoffe im Automobilbau: wie Sie den richtigen Werkstoff für Ihre Kunststoffteile auswählen

Welche Kunststoffe im Auto verwendet werden, welche Eigenschaften über die Wahl entscheiden und welche Prüfungen sie belegen: Schmelzflussrate, Wärmeformbeständigkeit, Vicat und Schlagprüfungen. Mit Auswahlprozess, Werkstofftabelle nach Bauteil und Checkliste für die Werkstoffqualität in der Serie.

FG
Filip Gergely
17 Min. Lesezeit
Kunststoffteile für Fahrzeuge und Polymergranulat für die Auswahl des richtigen Werkstoffs

Kunststoffe im Automobilbau sind die Polymere, aus denen Fahrzeugteile bestehen, von Stoßfängern aus Polypropylen und ABS-Zierteilen bis zu glasfaserverstärktem Polyamid im Motorraum. Um den richtigen Werkstoff auszuwählen, legen Sie zuerst die Anforderungen des Bauteils an Temperatur, Belastung, Medien und Vorschriften fest. Danach vergleichen Sie Typen anhand derselben ISO- oder ASTM-Prüfungen: Schmelzfluss, Wärmeformbeständigkeit, Vicat und Schlagzähigkeit.

Automobilzulieferer sind häufig an Konstruktion und Entwicklung neuer Teile beteiligt. In dieser Phase wird der Werkstoff festgelegt, und diese Entscheidung lässt sich später nur schwer ändern. Ein falscher Typ zeigt sich in verzogenen Teilen, gebrochenen Clips, nicht bestandenen Validierungsprüfungen oder einem teuren Änderungsantrag nach dem Serienanlauf.

Dieser Leitfaden behandelt die im Auto am häufigsten verwendeten Kunststoffe, einen schrittweisen Auswahlprozess, die wichtigsten Werkstoffeigenschaften und Prüfungen sowie die Frage, wie Sie die Werkstoffqualität in der Serienfertigung unter Kontrolle halten.

Das Wichtigste
  • Gehen Sie von den Anforderungen des Bauteils aus: Temperatur, mechanische Belastung, Medien, UV, Brennverhalten und die Werkstoffnorm des OEM.
  • Vergleichen Sie Typen nur nach derselben Prüfnorm, ISO oder ASTM, und unter denselben Prüfbedingungen.
  • Die Schmelzflussrate zeigt die Verarbeitbarkeit, HDT und Vicat zeigen die Wärmeformbeständigkeit, Izod und Charpy die Schlagzähigkeit.
  • Datenblattwerte sind keine Bauteilwerte. Validieren Sie den Typ an spritzgegossenen Teilen und sichern Sie ihn danach über das Änderungsmanagement ab.
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Was sind Kunststoffe im Automobilbau?

Kunststoffe für den Automobilbau sind Polymere und Polymer-Compounds, die die Anforderungen an Fahrzeugteile erfüllen. Die meisten sind Thermoplaste: Sie schmelzen beim Erwärmen und lassen sich deshalb spritzgießen, extrudieren oder blasformen und grundsätzlich recyceln. Duroplaste, etwa PU-Schaum oder manche faserverstärkten Verbundwerkstoffe, härten zu einer Form aus, die nicht wieder schmilzt.

Eine zweite hilfreiche Einteilung richtet sich nach der Leistungsfähigkeit. Standardkunststoffe wie PP, PE und PVC sind günstig und werden in großen Mengen eingesetzt. Technische Kunststoffe wie PA, PC, POM und PBT halten höhere Belastungen und Temperaturen aus. Hochleistungskunststoffe wie PPS, PEEK, PEI und PPA widerstehen sehr hohen Temperaturen und aggressiven Medien, doch Werkstoff und Verarbeitung kosten deutlich mehr.

Automotive-Typ in einem Satz

Ein Automotive-Typ ist ein bestimmtes Compound aus einem Basispolymer mit Füllstoffen, Glasfasern, Stabilisatoren oder Schlagzähmodifikatoren, das für ein definiertes Bauteil nach einer Werkstoffnorm des OEM geprüft und freigegeben wurde.

Welche Kunststoffe werden im Auto verwendet?

Kunststoffe wie PP, PA, ABS und PC stecken in vielen Fahrzeugkomponenten: in Innenraumteilen wie Instrumententafel, Türverkleidungen und Mittelkonsole, in Bauteilen im Motorraum und in Außenteilen wie Leuchten und Stoßfängern. Die Tabelle zeigt die gängigsten Werkstoffe und warum sie gewählt werden.

Gängige Kunststoffe im Automobilbau und typische Bauteile
WerkstoffTypische BauteileWarum er gewählt wird
PP, oft talkumgefüllt oder schlagzähmodifiziertStoßfängerverkleidungen, Türverkleidungen, Innenraumverkleidungen, BatteriegehäuseNiedrige Kosten, geringe Dichte, gute Chemikalienbeständigkeit, leicht zu verarbeiten
PUSitzschaum, Kopfstützen, Soft-Touch-OberflächenKomfort, Energieaufnahme, große Bandbreite an Härten
ABS und PC/ABSTeile der Instrumententafel, Mittelkonsolen, Kühlergrills, ZierteileGute Oberflächengüte, Steifigkeit und Schlagzähigkeit, lackier- und galvanisierbar
PA6 und PA66, oft glasfaserverstärktMotorabdeckungen, Teile der Luftansaugung, Teile des Kühlsystems, HalterFestigkeit und Steifigkeit bei hohen Temperaturen, beständig gegen Öle und Kraftstoffe
PCScheinwerferabdeckscheiben, LichtleiterTransparenz und hohe Schlagzähigkeit, braucht eine kratzfeste Beschichtung
PMMAHeckleuchtenabdeckungen, Leuchtenabdeckungen, DisplaysTransparenz, Kratz- und UV-Beständigkeit
POMClips, Zahnräder, Teile des Kraftstoffsystems, MechanikenGeringe Reibung, Verschleißfestigkeit und Maßhaltigkeit
PBTElektrische Steckverbinder, SensorgehäuseElektrische Eigenschaften und Maßhaltigkeit
HDPEKraftstofftanks, FlüssigkeitsbehälterChemikalienbeständigkeit, gut zum Blasformen geeignet
PVC und TPO oder TPEKabelisolierungen, Dichtungen, Häute für InstrumententafelnFlexibilität und Abdichtung, weiche Oberflächen
PPS, PEEK, PEI und PPATeile in Motornähe oder in E-Antrieb und BatteriesystemSehr hohe Wärme- und Chemikalienbeständigkeit, bei deutlich höheren Kosten

Polypropylen ist der im Auto am meisten verwendete Kunststoff, weil es günstig, leicht und einfach zu verarbeiten ist. Bei den Paaren, die Ingenieure oft vergleichen, entscheidet meist eine einzige Eigenschaft. PA66 behält seine Steifigkeit bis zu höheren Temperaturen als PA6. PC ist zäher als PMMA, PMMA dagegen kratz- und UV-beständiger. PBT ist günstiger als PPS, aber PPS behält seine Eigenschaften bei höheren Temperaturen.

Wie wählen Sie den richtigen Kunststoff für ein Fahrzeugteil aus?

Die Werkstoffauswahl funktioniert am besten in einer festen Reihenfolge. Der häufigste Grund, warum ein Typ später in der Validierung durchfällt: Der Schritt mit den Anforderungen wurde übersprungen.

  1. Anforderungen an das Bauteil festlegen
    Halten Sie den Einsatztemperaturbereich fest, die mechanischen Belastungen, den Kontakt mit Ölen, Kraftstoffen, Kühlmitteln oder Reinigungsmitteln, die UV-Belastung, die Optik, das Brennverhalten und die Gewichtsziele.
  2. Werkstoffnorm des OEM prüfen
    Die meisten Fahrzeughersteller haben eigene Werkstoffnormen, zum Beispiel VW TL, Stellantis MS, Ford WSS oder GM GMW. Oft führt die Norm bereits freigegebene Werkstoffe und Typen auf.
  3. Werkstofffamilien eingrenzen
    Schließen Sie anhand der Anforderungen Familien aus. Für ein Teil in Motornähe kommen ungefülltes PP und ABS meist nicht infrage. Ein sichtbares Innenraumteil braucht eine gute Oberflächenqualität und geringe Emissionen.
  4. Typen nach denselben Prüfungen vergleichen
    Vergleichen Sie Datenblätter nur, wenn die Werte nach derselben Norm und unter denselben Bedingungen ermittelt wurden. Ein nach ISO gemessener Wert lässt sich nicht direkt mit einem nach ASTM gemessenen vergleichen.
  5. Spritzgegossene Teile prüfen
    Spritzen Sie Muster und prüfen Sie diese unter realen Bedingungen: Wärmealterung, Schlagzähigkeit bei Kälte, Medienbeständigkeit und Passung in der Baugruppe.
  6. Verarbeitung und Werkzeug prüfen
    Schwindung, Verzug, Trocknungsbedarf, Zykluszeit und Werkzeugverschleiß unterscheiden sich von Typ zu Typ. Glasfaserverstärkte Typen schwinden längs und quer zur Fließrichtung unterschiedlich.
  7. Kosten und Versorgungssicherheit prüfen
    Vergleichen Sie die Kosten pro Teil, nicht nur den Preis pro Kilogramm. Prüfen Sie, ob es eine zweite Bezugsquelle gibt und wie stabil die Versorgung ist.
  8. Werkstoff validieren und einfrieren
    Schließen Sie den Validierungsplan ab, reichen Sie die Werkstoffdaten im PPAP beim Kunden ein und melden Sie die Zusammensetzung im IMDS. Ab diesem Zeitpunkt braucht jeder Wechsel von Typ oder Bezugsquelle die Freigabe des Kunden.
Werkstoffingenieur prüft Kunststoffgranulat neben einem Schmelzindex-Prüfgerät im Labor eines Automobilzulieferers
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Welche Werkstoffeigenschaften zählen bei Kunststoffen im Auto am meisten?

Wer die Ursachen von Abbau, Schäden, Alterung, Spannungsrissen oder Prozessproblemen verstehen will, muss die Werkstoffeigenschaften kennen. Die Automobilindustrie hat strenge Sicherheitsstandards, und jedes kritische Bauteil wird nach genauen technischen Spezifikationen geprüft. Drei Eigenschaftsgruppen stehen dabei immer wieder im Mittelpunkt: Verarbeitbarkeit, Verhalten bei hohen Temperaturen und mechanische Widerstandsfähigkeit.

Schmelzflussrate und Verarbeitbarkeit

Rohstoffhersteller müssen die Qualität ihrer Polymere überwachen, damit jede Charge die Anforderungen der Anwendung erfüllt. Eine der wichtigsten Eigenschaften für die Verarbeitbarkeit ist die Schmelzflussrate, auch Schmelzindex oder MFR genannt. Sie gibt an, welche Masse an geschmolzenem Werkstoff unter definierter Last und Temperatur durch eine Normdüse fließt, angegeben in Gramm pro 10 Minuten. Vereinfacht gesagt zeigt sie, wie leicht das geschmolzene Polymer fließt.

Die Schmelzflussprüfung ist schnell und einfach. Sie hilft, den richtigen Typ zu wählen, das Verhalten des Polymers beim Spritzgießen oder Extrudieren vorherzusagen und den vom Lieferanten angelieferten Werkstoff zu prüfen. Die Prüfung erfolgt nach ISO 1133 oder ASTM D1238. Eine höhere MFR bedeutet einen leichteren Fluss und meist ein geringeres Molekulargewicht. Eine große Abweichung zwischen Granulat und Formteil kann darauf hinweisen, dass der Werkstoff geschädigt wurde, zum Beispiel durch Feuchtigkeit bei der Verarbeitung.

Wärmeformbeständigkeit und Vicat-Erweichungstemperatur

Die Wärmeformbeständigkeitstemperatur, HDT, und die Vicat-Erweichungstemperatur, VST, zeigen, wie gut ein Polymer bei Erwärmung seine Form und Steifigkeit behält. HDT wird nach ISO 75 oder ASTM D648 geprüft, Vicat nach ISO 306 oder ASTM D1525. Der Prüfkörper wird unter definierter Last in einem beheizten Bad oder einer Kammer mit gleichmäßig steigender Temperatur erwärmt. HDT ist die Temperatur, bei der sich der Prüfkörper um einen festgelegten Betrag durchbiegt. Vicat ist die Temperatur, bei der eine Nadel mit flacher Spitze 1 mm tief eindringt.

Höhere HDT- und Vicat-Werte bedeuten, dass sich der Werkstoff besser für Anwendungen mit hohen Temperaturen eignet, etwa für Teile in Motornähe oder unter Sonneneinstrahlung. Oberhalb dieser Temperaturen kann sich das Teil bleibend verformen, was auch Oberflächenfehler verursacht. Betrachten Sie beide Werte als Vorauswahldaten, nicht als maximale Gebrauchstemperatur. Wie sich der Werkstoff wirklich verhält, zeigen Langzeit-Wärmealterungsprüfungen an Bauteilen.

Schlagzähigkeit: Prüfung nach Izod und Charpy

Festigkeit, Dauerhaltbarkeit und sicherheitsrelevante Eigenschaften werden am häufigsten geprüft. Die Schlagzähigkeit ist eine entscheidende Kenngröße für Lebensdauer und Sicherheit. Schlagprüfungen unterscheiden spröde von duktilen Polymeren und zeigen, wie sich ein Werkstoff bei verschiedenen Temperaturen und Schlaggeschwindigkeiten verhält. Die Schlagzähigkeit bei Kälte ist wichtig für Stoßfänger, Clips und alle Teile, die im Winter nicht brechen dürfen.

Die gängigsten Schlagprüfungen sind Izod und Charpy. Izod wird nach ISO 180 und ASTM D256 geprüft, ungekerbte Prüfkörper nach ASTM D4812. Charpy wird nach ISO 179 und ASTM D6110 geprüft. Bei Izod ist der Prüfkörper an einem Ende eingespannt wie ein Kragarm. Bei Charpy liegt er auf zwei Auflagern und wird in der Mitte getroffen. Die Ergebnisse beider Verfahren lassen sich nicht ineinander umrechnen.

Wichtige Prüfungen für Kunststoffe im Automobilbau und ihre Normen
EigenschaftISO-NormASTM- oder andere NormWas sie aussagt
SchmelzflussrateISO 1133ASTM D1238Verarbeitbarkeit und Gleichmäßigkeit von Charge zu Charge
WärmeformbeständigkeitstemperaturISO 75ASTM D648Steifigkeit unter Last bei hoher Temperatur
Vicat-ErweichungstemperaturISO 306ASTM D1525Erweichungspunkt des Werkstoffs
Schlagzähigkeit nach IzodISO 180ASTM D256, ASTM D4812Schlagzähigkeit, sprödes oder duktiles Verhalten
Schlagzähigkeit nach CharpyISO 179ASTM D6110Schlagzähigkeit, auch bei tiefen Temperaturen
Zug- und BiegeeigenschaftenISO 527, ISO 178ASTM D638, ASTM D790Festigkeit, Steifigkeit und Dehnung
Brennverhalten von InnenraumwerkstoffenISO 3795FMVSS 302Brenngeschwindigkeit von Werkstoffen im Fahrgastraum
Brennverhalten elektrischer Teile–UL 94Selbstverlöschendes Verhalten, wichtig für Teile der Elektromobilität
Fogging und EmissionenISO 6452DIN 75201, VDA 278Beschlagen der Scheiben und Emissionen im Innenraum
Bewitterung und UVISO 4892-2SAE J2527Farb- und Oberflächenstabilität von Außen- und Innenteilen

Auch andere Eigenschaften entscheiden oft über die Wahl: Beständigkeit gegen Betriebsflüssigkeiten, Kriechen unter Dauerlast, Ermüdung, Feuchtigkeitsaufnahme und Maßhaltigkeit. Polyamide nehmen Wasser auf, daher unterscheiden sich Steifigkeit und Schlagzähigkeit im trockenen und im konditionierten Zustand. Prüfen Sie, auf welchen Zustand sich die Datenblattwerte beziehen.

Datenblattwerte sind keine Bauteilwerte

Datenblattwerte stammen von Normprüfkörpern, die unter idealen Bedingungen gespritzt wurden. Ein reales Bauteil hat Bindenähte, Faserorientierung, Wanddickensprünge und eingefrorene Spannungen. Bestätigen Sie den Typ immer mit Prüfungen an spritzgegossenen Teilen, bevor Sie ihn freigeben.

Welche Kunststoffe eignen sich für Innenraum, Exterieur, Motorraum und Elektrofahrzeuge?

Motorraum
Dauerhafte Wärme, Vibrationen und Kontakt mit Öl, Kraftstoff und Kühlmittel. Typisch sind glasfaserverstärktes PA66 und PA6, PBT, PPS und PPA.
Innenraum
Optik, Kratzfestigkeit, geringer Geruch, Fogging und Emissionen sowie die Brennprüfung für den Innenraum. Typisch sind PP-Compounds, ABS, PC/ABS, TPO-Häute und PU-Schaum.
Exterieur
Schlagzähigkeit bei Kälte, UV- und Witterungsbeständigkeit, Lackierbarkeit und Maßhaltigkeit. Typisch sind PP/EPDM-Compounds für Stoßfänger, PC und PMMA für Leuchten sowie ASA und PC/ABS für Zierteile.
Elektrofahrzeuge
Hochvolt und das Risiko eines thermischen Durchgehens bringen neue Anforderungen: Flammschutz nach UL 94, elektrische Isolation und Kriechstromfestigkeit. Typisch sind flammgeschützte Typen aus PA, PBT, PPS und PC.
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Wie sichern Sie die Werkstoffqualität von Kunststoffen in der Serienfertigung?

Die Qualität muss auf jeder Stufe gesichert werden, von der Auswahl und Bewertung der Rohstoffe bis zu den Eigenschaften des fertigen Teils. Sobald der Typ freigegeben ist, halten ihn diese Prüfungen unter Kontrolle:

  • Prüfzeugnis für jede Charge, mit den vereinbarten Eigenschaften und Grenzwerten.
  • Wareneingangsprüfung mit einer schnellen Schmelzflussprüfung an einer Probe jeder Charge oder in einem festgelegten Rhythmus.
  • Trocknung hygroskopischer Werkstoffe wie PA, PBT und PC, mit Prüfung der Restfeuchte vor dem Spritzgießen.
  • Mahlgutgrenzen: ein mit dem Kunden vereinbarter Höchstanteil an Mahlgut, der an der Maschine überwacht wird.
  • Chargenrückverfolgbarkeit von der Werkstoffcharge bis zum Los der fertigen Teile.
  • Änderungsmanagement: kein Wechsel von Typ, Farbe, Compoundeur oder Werk ohne Benachrichtigung des Kunden und, wo gefordert, ein neues PPAP.
  • Werkstoffdaten, die im IMDS aktuell gehalten und auf Konformität mit REACH und den Vorschriften für Altfahrzeuge geprüft werden.
Was sich in der Praxis bewährt

Bewahren Sie von jeder freigegebenen Werkstoffcharge ein Rückstellmuster auf. Fällt ein Teil im Feld oder beim Kunden aus, vergleichen Sie die Schmelzflussrate des Teils, des zurückbehaltenen Granulats und der freigegebenen Referenz. So sehen Sie schnell, ob die Ursache im Werkstoff oder im Prozess liegt.

Was bedeuten Rezyklate und EU-Vorschriften für die Werkstoffauswahl?

Fahrzeughersteller erhöhen den Anteil an recycelten und biobasierten Kunststoffen in neuen Fahrzeugen, und viele OEM setzen ihren Zulieferern eigene Ziele. In der EU wird die Altfahrzeugrichtlinie durch eine Verordnung ersetzt, die voraussichtlich einen Mindestanteil an Rezyklat in Neuwagen vorschreiben wird. Prüfen Sie den endgültigen Text und seine Fristen, bevor Sie sich auf einen Werkstoffplan festlegen.

Für die Werkstoffauswahl bedeutet das mehr Arbeit, nicht weniger. Rezyklattypen können von Charge zu Charge stärker in Schmelzfluss, Farbe, Geruch und Schlagzähigkeit schwanken. Vereinbaren Sie strengere Wareneingangsprüfungen, prüfen Sie den Rezyklattyp an spritzgegossenen Teilen genauso wie Neuware und planen Sie eine zweite freigegebene Bezugsquelle ein.

Ingenieur prüft einen spritzgegossenen Kunststoffstoßfänger neben einer Spritzgießmaschine in einem Werk für Fahrzeugteile
Stoßfänger müssen Schlagprüfungen bei tiefen Temperaturen bestehen, deshalb wird der Typ an Formteilen validiert und nicht nur an Prüfstäben.

Welche Fehler passieren bei der Auswahl von Kunststoffen am häufigsten?

  • Auswahl nur nach Datenblatt. Der Typ passt auf dem Papier, versagt aber am realen Teil. Prüfen Sie früh spritzgegossene Teile.
  • Werte aus verschiedenen Normen vergleichen. ISO- und ASTM-Ergebnisse oder Werte im trockenen und konditionierten Zustand sind nicht direkt vergleichbar.
  • Den Prozess ignorieren. Schwindung, Verzug glasfaserverstärkter Typen und Trocknungsbedarf entscheiden darüber, ob sich das Teil stabil fertigen lässt.
  • Überspezifizieren. Ein Hochleistungskunststoff, wo ein technischer Kunststoff genügen würde, verteuert jedes Teil.
  • Die Umgebung vergessen. Medien, UV und Langzeitwärme verursachen mehr Ausfälle als die Kurzzeitfestigkeit.
  • Werkstoff ohne Freigabe wechseln. Auch ein günstigerer gleichwertiger Typ aus einer anderen Quelle braucht die Freigabe des Kunden.
  • Keine Ursachenanalyse nach einem Ausfall. Gebrochene oder verzogene Teile werden dem Werkstoff angelastet, ohne die Prozessdaten zu prüfen.

Um mehrere infrage kommende Typen anhand gewichteter Kriterien wie Kosten, Wärmeformbeständigkeit, Schlagzähigkeit und Verarbeitbarkeit zu vergleichen, eignet sich eine gewichtete Entscheidungsmatrix, die wir in unserem Artikel über Entscheidungshilfen beschreiben. Erreicht ein werkstoffbedingter Fehler den Kunden, nutzen Sie die strukturierte Problemlösung, um die Ursache zu finden, bevor Sie den Typ wechseln.

Wann hilft ein Interim-Experte bei Kunststoffen?

Kunststoffverarbeiter sowie Tier-1- und Tier-2-Zulieferer in Mittel- und Osteuropa brauchen oft für einen begrenzten Zeitraum Know-how zu Werkstoffen und Qualität. Typische Fälle sind ein Serienanlauf mit vielen neuen Typen, eine Kundenreklamation wegen gebrochener oder verzogener Teile, die Umstellung auf einen günstigeren Werkstoff oder ein Rezyklat sowie ein Granulatlieferant, der keine stabile Qualität liefert.

Ein erfahrener Interim-Qualitätsmanager, Lieferantenqualitätsingenieur oder Prozessingenieur für das Spritzgießen übernimmt die Werkstoffvalidierung, das PPAP und die Ursachenanalyse und arbeitet direkt mit den Granulatlieferanten zusammen. Lesen Sie, wie ein Interim-Qualitätsmanager arbeitet, was ein Interim Manager macht und wie Ihnen der strategische Einkauf hilft, Granulatlieferanten und zweite Bezugsquellen zu steuern.

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Fazit

Der richtige Kunststoff für ein Fahrzeugteil ist das Ergebnis eines klaren Prozesses. Legen Sie die Anforderungen des Bauteils fest, prüfen Sie die Werkstoffnorm des OEM, vergleichen Sie Typen nach denselben Normen und bestätigen Sie die Wahl an spritzgegossenen Teilen. Schmelzflussrate, HDT, Vicat und Schlagprüfungen sind die Grundwerkzeuge, vom ersten Typenvergleich bis zur Wareneingangsprüfung jeder Charge.

Ist der Werkstoff freigegeben, sichern Sie ihn mit Änderungsmanagement, Chargenrückverfolgbarkeit und einem Rückstellmuster ab, damit sich jedes Problem schnell zurückverfolgen lässt.

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Häufig gestellte Fragen

Welche Kunststoffe werden im Auto am häufigsten verwendet?

Am meisten wird Polypropylen verwendet, für Stoßfänger, Innenraumverkleidungen und Batteriegehäuse. Weitere gängige Kunststoffe im Automobilbau sind Polyurethan für Sitzschaum, ABS und PC/ABS für Innenraumteile, Polyamid für Teile im Motorraum, Polycarbonat und PMMA für Leuchten sowie POM und PBT für Clips und Steckverbinder.

Wie wählt man einen Kunststoff für ein Fahrzeugteil aus?

Legen Sie zuerst die Anforderungen an das Teil fest: Temperatur, Belastungen, Medien, UV, Brennverhalten und Optik. Prüfen Sie die Werkstoffnorm des OEM, grenzen Sie Werkstofffamilien ein, vergleichen Sie Typen nach denselben ISO- oder ASTM-Prüfungen, prüfen Sie spritzgegossene Teile, klären Sie Verarbeitung und Kosten, validieren Sie dann den Werkstoff und reichen Sie ihn im PPAP ein.

Was ist der Schmelzindex eines Kunststoffs?

Der Schmelzindex, auch Schmelzflussrate genannt, ist die Masse an geschmolzenem Kunststoff, die unter definierter Last und Temperatur durch eine Normdüse fließt, in Gramm pro 10 Minuten. Er wird nach ISO 1133 oder ASTM D1238 gemessen und zeigt, wie leicht ein Polymer bei der Verarbeitung fließt.

Was ist der Unterschied zwischen HDT und Vicat-Erweichungstemperatur?

HDT ist die Temperatur, bei der sich ein belasteter Prüfstab um einen festgelegten Betrag durchbiegt. Vicat ist die Temperatur, bei der eine Nadel 1 mm tief in den Prüfkörper eindringt. HDT beschreibt eher die Steifigkeit unter Last, Vicat den Erweichungspunkt. Beides sind Vorauswahlwerte, keine maximalen Gebrauchstemperaturen.

Was ist der Unterschied zwischen der Schlagprüfung nach Izod und nach Charpy?

Beide messen mit einem Pendel die Energie, die nötig ist, um einen Prüfkörper zu brechen. Bei Izod ist der Prüfkörper an einem Ende eingespannt. Bei Charpy liegt er auf zwei Auflagern und wird in der Mitte getroffen. Die Ergebnisse lassen sich nicht ineinander umrechnen.

Was ist der Unterschied zwischen technischen Kunststoffen und Standardkunststoffen?

Standardkunststoffe wie PP, PE und PVC sind günstig und werden in großen Mengen eingesetzt. Technische Kunststoffe wie PA, PC, POM und PBT halten höhere Belastungen und Temperaturen aus. Hochleistungskunststoffe wie PPS und PEEK gehen noch weiter, bei deutlich höheren Kosten.

Welche Normen gelten für Kunststoffe im Automobilbau?

Werkstoffprüfungen folgen ISO- oder ASTM-Normen, zum Beispiel ISO 1133, ISO 75, ISO 306, ISO 179 und ISO 180. Innenraumwerkstoffe müssen Brennprüfungen wie FMVSS 302 oder ISO 3795 bestehen. Die meisten Fahrzeughersteller ergänzen eigene Werkstoffnormen, und Zulieferer melden Werkstoffdaten im IMDS.

Können Rezyklate in Fahrzeugteilen eingesetzt werden?

Ja, Rezyklate werden bereits in vielen Innenraum- und Motorraumteilen eingesetzt, und die EU-Vorschriften werden voraussichtlich einen Mindestanteil vorschreiben. Rezyklattypen schwanken von Charge zu Charge stärker, deshalb brauchen sie strengere Wareneingangsprüfungen und dieselbe Validierung an spritzgegossenen Teilen wie Neuware.

Wann sollte ein Zulieferer einen Interim-Experten für Qualität bei Kunststoffteilen hinzuziehen?

Wenn ein Serienanlauf viele neue Werkstoffe umfasst, ein Kunde gebrochene oder verzogene Teile reklamiert, ein Werkstoffwechsel validiert werden muss oder ein Granulatlieferant keine stabile Qualität liefert. Ein Interim-Experte kann innerhalb weniger Tage vor Ort sein und Validierung, PPAP und Ursachenanalyse leiten.

FG
Geschrieben von
Filip Gergely

Filip Gergely ist Gründer und Geschäftsführer der GQsystems, a.s., die unter der Marke GQ interim auftritt. Er hat das Unternehmen 2011 im slowakischen Nitra gegründet. GQ interim setzt Interim Manager und Ingenieure in Produktionsunternehmen in Mitteleuropa ein, vor allem in der Automobilindustrie, und hat bisher 1.550+ Projekte abgeschlossen. Sein Profil finden Sie auf LinkedIn unter https://www.linkedin.com/in/filipgergely.